Langfristige Denkweise: Wie man mental stark und präsent bleibt
Zusammenfassung:
Lange Läufe stellen nicht nur deine Fitness auf die Probe, sondern auch deine innere Einstellung. Wenn Erschöpfung einsetzt und Ablenkungen auftauchen, entscheidet oft dein innerer Dialog darüber, ob du die Ruhe bewahrst oder die Kontrolle verlierst. Dieser Beitrag untersucht, wie dein Selbstgespräch dein Erleben in diesen ruhigeren, anstrengenderen Momenten prägt, wenn der Körper noch leistungsfähig ist, die Gedanken aber abschweifen. Du lernst praktische mentale Strategien für den sofortigen Einsatz kennen, die dir helfen, präsent und stark zu bleiben und dich auf die vor dir liegende Anstrengung zu konzentrieren. Von einfachen Mantras bis hin zu Techniken zur Umdeutung – es geht darum, mentale Abwärtsspiralen in stetigen Fortschritt zu verwandeln und deine härtesten Trainingstage mit Klarheit und innerem Stolz zu beenden.
Wie man Selbstgespräche in entscheidenden Momenten richtig einsetzt
Lange Läufe fordern dich auf andere Weise. Sie bringen lange Phasen der Stille mit sich, in denen sich die Anstrengung einstellt und Ablenkungen verschwinden. Wenn der Körper ermüdet, richtet sich die Aufmerksamkeit ganz natürlich nach innen. Oft meldet sich dann die innere Stimme zu Wort, kommentiert das Unbehagen, hinterfragt das Tempo und sucht leise nach Abkürzungen. Äußerlich geschieht nichts Dramatisches, doch im Verborgenen entfaltet sich etwas Wichtiges. Wie du die Erschöpfung in diesen Momenten interpretierst, prägt nicht nur, wie sich der Lauf anfühlt, sondern auch, wie präsent du dabei bleibst.
Der innere Dialog während eines langen Laufs ist selten bewusst. Er entsteht bruchstückhaft, als Reaktion auf Empfindungen und kleine Veränderungen der Anstrengung. Wird er kritisch oder ungeduldig, kann sich der Lauf anstrengender anfühlen als nötig. Wird er hingegen gleichmäßig und gelassen, erscheint dieselbe Anstrengung bewältigbar. Wenn man lernt, diese innere Stimme wahrzunehmen, ohne gegen sie anzukämpfen, kann man sie sanft lenken. Nicht hin zu Übertreibung oder Kraftaufwand, sondern hin zu Klarheit. Hier entsteht mentale Stärke: nicht durch das Überwinden von Unbehagen, sondern indem man Schritt für Schritt bewusst wahrnimmt, was tatsächlich geschieht.
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Warum die mittleren Meilen wichtig sind
Die ersten Kilometer fühlen sich oft wie eine Wohltat an. Der Körper ist frisch, die Konzentration leicht und die Motivation trägt einen mühelos voran. Die letzten Kilometer kommen meist mit einem Gefühl der Zielstrebigkeit, verstärkt durch das Wissen, dass das Ziel fast erreicht ist. Es ist der Abschnitt dazwischen, der einem am meisten abverlangt. Auf diesen mittleren Kilometern macht sich die Erschöpfung breit, aber der Sinn ist noch nicht zurückgekehrt. Der Lauf fühlt sich nicht mehr neu an und auch noch nicht abgeschlossen.
Hier verschiebt sich der innere Dialog unmerklich. Empfindungen werden persönlicher interpretiert, kleine Unannehmlichkeiten wiegen schwerer, und der Gedanke an eine Pause erscheint vernünftig, statt vermeidbar. Rein technisch gesehen ist nichts falsch, doch das Selbstvertrauen schwindet, während die Aufmerksamkeit abschweift. In solchen Momenten ist der Körper oft zu mehr fähig, als der Verstand glaubt. Die Art, wie du jetzt mit dir selbst sprichst, muss weder forsch noch korrigierend sein. Sie muss nur ruhig genug sein, um dich präsent und engagiert zu halten und dich bereit zu machen, weiterzumachen, ohne dich herauszureden.
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Schritt 1: Erkennen Sie, wann Ihre Gedanken abschweifen
Der Wechsel ist selten dramatisch. Er vollzieht sich leise, oft bevor man ihn bewusst wahrnimmt, wenn die Aufmerksamkeit vom Körper abwandert und sich auf Bewertung oder Flucht richtet. Dieser Moment ist wichtig, denn er markiert den Punkt, an dem die Präsenz nachlässt. Noch ist nichts schiefgegangen, aber die mentale Verfassung während des Laufs hat sich verändert. Wird dieser Wechsel verpasst, gewinnen die Gedanken an Dynamik. Wird er frühzeitig erkannt, gewinnt man die Kontrolle zurück. Es geht nicht darum, die Erfahrung zu korrigieren oder Unbehagen zu verdrängen, sondern darum, wahrzunehmen, was geschieht, solange noch Raum für eine gelassene Reaktion besteht.
Häufige Anzeichen dafür, dass Ihre geistigen Fähigkeiten nachlassen
Die Aufmerksamkeit richtet sich nach vorn:
Dein Fokus verschiebt sich von deiner Bewegung hin zur verbleibenden Strecke. Anstatt Rhythmus und Atem zu spüren, beginnst du, Distanz und Zeit zu zählen und den Lauf anhand der verbleibenden Strecke zu messen, anstatt dich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Diese Vorwärtsdrang erzeugt eine subtile Spannung, da der Geist den gegenwärtigen Schritt verlässt und in einer imaginierten Zukunft verweilt, die sich schwerer anfühlt als die Realität unter deinen Füßen.Die Körperhaltung verschlechtert sich unmerklich:
Ohne es zu merken, spiegelt der Körper die Gedanken wider. Die Schultern sinken, der Kopf senkt sich und der Schritt wird steifer, da man sich gegen die Anstrengung stemmt. Diese Veränderungen treten oft vor dem bewussten Zweifel auf und signalisieren, dass sich die Aufmerksamkeit schützend nach innen gerichtet hat, anstatt offen und reaktionsfähig zu bleiben.Zwanghaftes Uhrenchecken:
Man schaut häufiger als sonst auf die Uhr, auf der Suche nach Bestätigung oder Rechtfertigung für die Anstrengung. Jeder Blick reißt einen weiter aus dem Moment heraus und führt zu ständigen Bewertungen. Mit der Zeit entstehen dadurch Ungeduld und ein Gefühl der Distanz, da der Lauf zu einem Erlebnis wird, das bewertet werden muss, anstatt es zu genießen.Der innere Dialog beginnt:
Die innere Stimme ändert ihren Tonfall. Ermutigung schwindet, und Verhandlungen treten an ihre Stelle. Die Strecke abzukürzen erscheint vernünftig. Die Anstrengung auf einen anderen Tag zu verschieben, klingt plausibel. Das ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, dass der Geist versucht, Unbehagen zu lindern, indem er der Gegenwart entflieht, anstatt sich ihr zu stellen.
Diese Phase ist eine mentale rote Zone, nicht weil sie überwältigend ist, sondern weil sie prägend ist. Erkennen ist hier die wichtigste Fähigkeit. Den Moment sanft zu benennen, lockert seine Wirkung und ermöglicht es Ihnen, ohne Zwang oder Wertung im Hier und Jetzt zu verweilen.
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Schritt 2: Den Lauf verkürzen
Lange Läufe können sich überwältigend anfühlen, wenn der Geist versucht, die gesamte Distanz auf einmal zu erfassen. Zu weit vorausdenken lenkt die Aufmerksamkeit vom Körper ab und hin zur Vorfreude, wodurch die Anstrengung schwerer erscheint als nötig. Bei Erschöpfung verzerrt sich die Wahrnehmung, und der Lauf kann sich endlos anfühlen, anstatt zielgerichtet. Die Laufstrecke zu verkürzen ist keine Vermeidung. Es ist vielmehr eine Möglichkeit, die Aufmerksamkeit wieder auf etwas zu lenken, dem der Geist ohne Widerstand folgen kann.
Möglichkeiten zur Reduzierung mentaler Überlastung
Konzentriere dich auf einen kürzeren Zeitraum:
Anstatt die gesamte Dauer zu kontrollieren, richte deine Aufmerksamkeit nur auf die nächsten Minuten. Fünf Minuten sind kurz genug, um präsent zu bleiben, aber gleichzeitig bedeutsam genug, um den Schwung beizubehalten. Wenn diese Minuten vergangen sind, startest du kurz neu und wiederholst das Ganze. So behältst du die Konzentration und verhinderst, dass deine Gedanken dem Körper vorauseilen.Nutze Orientierungspunkte:
Wähle etwas Greifbares vor dir, eine Straßenkurve, einen Baum, eine veränderte Oberflächenbeschaffenheit. Laufe mit ruhiger Absicht darauf zu und wähle dann den nächsten Punkt. So wird der Lauf zu einer Abfolge unmittelbarer Momente anstatt einer fernen Aufgabe, und deine Aufmerksamkeit richtet sich auf die Umgebung statt auf das Ziel.Fördern Sie Ihre Konzentration mit einfacher Sprache:
Kurze Sätze können helfen, die Aufmerksamkeit gezielter zu fokussieren. Mantras wie „Nur diesen Abschnitt“, „Einen Schritt nach dem anderen“ oder „Hier und Jetzt“ sind wirksam, weil sie Ihre aktuelle Tätigkeit widerspiegeln. Sie sollen weder motivieren noch ablenken, sondern Sie sanft zur gegenwärtigen Anstrengung zurückführen, wenn Ihre Gedanken abzuschweifen drohen.
Diese Ansätze lenken alle die Aufmerksamkeit auf denselben Punkt. Nicht auf das Ende des Laufs, nicht auf die bevorstehenden Unannehmlichkeiten, sondern auf den Schritt, den Sie gerade gehen, wo Ihre Leistungsfähigkeit noch ungebrochen ist.
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Schritt 3: Reframing-Sprache in Echtzeit anwenden
Erschöpfung muss nicht geleugnet oder bekämpft werden. Sie muss anders verstanden werden. Langfristig gesehen ist das Problem selten die Empfindung selbst, sondern die Bedeutung, die der Verstand ihr beimisst. Wenn Unbehagen als Bedrohung oder Versagen interpretiert wird, steigt die Anspannung und das Selbstvertrauen schwindet. Umdeutung bedeutet nicht, so zu tun, als ob der Lauf leicht wäre. Es geht darum, eine Sprache zu wählen, die die Erfahrung bewältigbar macht, anstatt sie zu überfordern.
Wie man die Perspektive ändert, ohne sich dem Vorhaben zu widersetzen
Vom Zusammenbruch zur Stabilität:
Wenn der Gedanke „Ich verliere die Kontrolle“ auftaucht, reagiert der Körper oft mit Panik oder Hektik. Die Umformulierung in „Ich lerne, ruhig zu bleiben“ lenkt die Aufmerksamkeit von der Angst hin zur erlernten Fähigkeit. Der Aufwand bleibt gleich, aber die Bedeutung ändert sich. Man gelangt vom Gefühl der Kontrolllosigkeit zur Erkenntnis, dass man gerade etwas Wertvolles übt.Vom Leiden zum Sinn:
Der Satz „Das fühlt sich schrecklich an“ verschließt die Erfahrung. Er stempelt den Moment als etwas ab, dem man entfliehen möchte. Ihn umzuformulieren mit „Hier entsteht Ausdauer“, romantisiert das Unbehagen nicht, sondern ordnet es ein. Die Empfindung wird Teil eines Prozesses, anstatt ein Signal dafür zu sein, dass etwas nicht stimmt.Vom Ziel zum Fortschritt:
Gedanken wie „Ich habe noch einen langen Weg vor mir“ lenken die Aufmerksamkeit nach vorn und verstärken die Erschöpfung. Ein Blick auf „Sieh nur, wie weit ich schon gekommen bin“ rückt die Perspektive wieder ins Gleichgewicht. Er erinnert dich daran, dass du bereits Anstrengungen unternommen hast und nicht bei null anfängst.
Das ist weder toxischer Positivismus noch erzwungener Optimismus. Es geht darum, deinem Geist beizubringen, so zu sprechen, dass er Kontinuität statt Angst fördert. Die Sprache, die du wählst, prägt, wie sicher sich die Anstrengung anfühlt, und Sicherheit ermöglicht es dir, präsent zu bleiben, wenn es schwierig wird.
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Schritt 4: Verbinde dein Mantra mit deiner Bewegung
Eine der effektivsten Methoden, die innere Stimme während eines langen Laufs zu beruhigen, ist, sie direkt mit dem Körper zu verbinden. Wenn Sprache losgelöst von der Bewegung existiert, verliert sie ihre Wirkung. Synchronisiert sie sich jedoch mit dem Atem oder dem Schritt, wird sie zum Rhythmus statt zum bloßen Gedanken. Diese Verbindung hilft der Aufmerksamkeit, sich genau in dem Moment wieder auf das körperliche Erleben zu konzentrieren, in dem die Ermüdung sie abzulenken droht.
Möglichkeiten, Sprache in Bewegung zu verankern
Passe deine Worte an deinen Schritt an:
Kurze Sätze, die mit deinem Schrittrhythmus synchronisiert sind, erzeugen einen gleichmäßigen inneren Rhythmus. Sätze wie „Kraftvoll und geschmeidig“ oder „Schritt, Schritt, atmen“ begleiten dich, anstatt die Anstrengung zu überlagern. Die Wiederholung gibt deinem Geist einen festen Ankerpunkt, an dem er sich festhalten kann, wenn die Konzentration nachlässt.Nutze deinen Atem als Wegweiser:
Wenn du deine Sprache mit deinem Atemrhythmus verknüpfst, kannst du Anspannung lösen, sobald du dich anstrengst. Sätze, die sich natürlich im Ein- und Ausatmen entfalten, verlangsamen deinen inneren Rhythmus und reduzieren Anspannung. Der Atem wird so zum Anker und zur Erinnerung daran, dass du die Kontrolle über dein Handeln im jeweiligen Moment behältst.Verstärken Sie die korrekte Haltung durch Worte:
Einfache Hinweise wie „leichte Füße“ oder „lange Wirbelsäule“ helfen, die Verbindung zwischen Geist und Körperhaltung wiederherzustellen, wenn die korrekte Haltung nachzulassen droht. Diese Formulierungen fordern keine Korrektur, sondern fördern die Achtsamkeit. Der Körper reagiert oft instinktiv, sobald die Aufmerksamkeit sanft umgelenkt wird.Setzen Sie auf Bestätigung statt auf Anweisung:
Manchmal sind die einfachsten Worte die wirkungsvollsten. Ruhige Ermutigung wie „Du schaffst das!“ oder „Mach weiter!“ bestärkt die Kontinuität, ohne Druck auszuüben. Diese Formulierungen wirken am besten, wenn sie sich natürlich und nicht befehlend anfühlen und die Präsenz fördern, anstatt Leistung zu erzwingen.
Wenn der innere Dialog im Einklang mit den Körperbewegungen verläuft, hört er auf, mit der Anstrengung zu konkurrieren, und unterstützt sie stattdessen. Der Lauf wird wieder zu einem koordinierten Erlebnis, bei dem Geist und Bewegung zusammenwirken, anstatt sich gegenseitig zu behindern.
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Schritt 5: Mitgefühl als Antrieb nutzen
Wenn die Anstrengung zunimmt und die Kontrolle nachlässt, meldet sich oft als Erstes der innere Kritiker zu Wort. Er hinterfragt das Tempo, vergleicht den heutigen Tag mit anderen und sucht nach Fehlern, sobald etwas nicht mehr so reibungslos läuft. Diese Reaktion ist nicht ungewöhnlich. Der Verstand sucht nach Gewissheit, wenn sich der Körper verletzlich fühlt. Doch Kritik stellt selten die Stabilität wieder her. Meistens verschärft sie das Erlebnis und lässt den Lauf einsamer erscheinen, als er sein müsste.
Mitgefühl wirkt anders. Es versucht nicht, Schwierigkeiten zu beseitigen oder zu beschönigen. Es erkennt die Realität an und bleibt dennoch präsent. Langfristig schafft diese Art der Selbstreflexion psychologische Sicherheit, die es ermöglicht, Anstrengungen ohne Zusammenbruch fortzusetzen. Mitgefühl ist hier keine Nachsicht. Es bleibt auch unter Druck standhaft.
Möglichkeiten zu reagieren, wenn der Kritiker erscheint
Erkennen Sie Schwierigkeiten ohne zu urteilen an:
Wenn Gedanken wie „Warum kann ich nicht mithalten?“ auftauchen, ändert die Antwort „Das ist hart, und ich bin immer noch hier“ sofort die Stimmung. Die Anstrengung bleibt herausfordernd, fühlt sich aber nicht mehr wie ein persönliches Versagen an. Sie bleiben motiviert, anstatt sich selbst zu verurteilen.Definiere Stärke neu:
An Tagen, an denen alles schwerfällt, vergleicht dich dein innerer Kritiker oft mit einem idealisierten Bild von dir selbst. Die Umdeutung „Stark sieht heute anders aus“ ermöglicht es dir, Anstrengung ohne Vergleiche anzunehmen. Sie würdigt die Realität des Augenblicks, anstatt gegen sie anzukämpfen.Kontinuität vor Leistung:
Sätze wie „Ich gebe mich nicht mitten im Lauf auf“ lenken den Fokus weg vom Ergebnis und zurück zur Entschlossenheit. Sie erinnern dich daran, dass es an sich schon eine Leistung ist, in schwierigen Situationen präsent zu bleiben – unabhängig von Tempo oder Distanz.
Selbstmitgefühl bedeutet in solchen Momenten nicht, um jeden Preis sanftmütig zu sein. Es geht darum, genügend innere Stabilität zu entwickeln, um auch in schwierigen Zeiten weitermachen zu können. Diese Stabilität ist oft das, was einen trägt, wenn sonst nichts mehr hilft.
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Schritt 6: Nicht nur die Daten, sondern auch die mentale Stärke unter Beweis stellen
Die letzten Minuten eines langen Laufs sind nicht nur körperlich anstrengend. Sie sind auch deutungsvoll. In dieser Zeit verarbeitet der Geist in aller Stille die Bedeutung des Laufs. Die Erschöpfung mag groß und die Konzentration nachlassen, doch die innere Erzählung, die sich hier formt, hat oft mehr Gewicht als die aufgezeichneten Zahlen. Wie du am Ende eines Laufs mit dir selbst sprichst, prägt die Erinnerung an die Anstrengung und deine Bereitschaft, beim nächsten Mal wiederzukommen.
Wenn die Abschlussmomente der Gewohnheit überlassen werden, neigt der Geist oft zu Kritik oder Erleichterung. Werden sie jedoch bewusst gestaltet, wirken sie bestärkend. Das bedeutet nicht, Erfolge zu übertreiben oder Anstrengungen zu ignorieren. Es bedeutet, eine Sprache zu wählen, die Anstrengung ehrlich anerkennt und die Erfahrung mit Stabilität statt mit Wertung abschließt.
Möglichkeiten, den Lauf mit Absicht abzuschließen
Anerkenne die Anstrengung, bevor du sie analysierst:
Gedanken wie „Das war brutal“ oder „Ich habe es gerade so geschafft“ können schnell alles andere überschatten. Eine positive Umformulierung wie „Ich habe es geschafft“ schafft Ausgewogenheit. So wird die Schwierigkeit anerkannt, ohne den gesamten Lauf zu definieren. Der Geist registriert Kompetenz statt Zusammenbruch.Machen Sie das Erreichen des Ziels zu einem bedeutsamen Erlebnis:
Einfache Sätze wie „Dieses Ziel war wichtig“ erinnern Sie daran, dass Sie durchgehalten haben – und das ist genauso wichtig wie die Daten selbst. Dies bestärkt die Idee, dass Präsenz und Ausdauer zählen, auch wenn die Trainingseinheit nicht perfekt verlaufen ist.Wähle eine abschließende Aussage, die dir auch nach dem Training noch etwas bedeutet:
Formulierungen wie „Das war eine Leistung, auf die ich stolz sein kann“, „So baut man Stärke auf“ oder „Ich war da, als es schwierig wurde“ helfen, das Training psychologisch abzurunden. Diese Sätze sind keine Belohnung, sondern Anerkennung dafür, dass die Anstrengung mit Integrität durchgehalten wurde.
So einen Lauf abzuschließen, macht die Trainingseinheit zu einem runden Erlebnis. Nicht nur beendet, sondern verinnerlicht. Der Körper erholt sich, aber der Geist trägt die Atmosphäre dieses Abschlusses mit sich bis zum nächsten Lauf.
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Häufig gestellte Fragen: Selbstgespräche
Muss ich bei jedem langen Lauf die gleichen Selbstgespräche führen?
Nicht unbedingt. An manchen Tagen braucht man klare, deutliche Anweisungen, an anderen eine sanftere Sprache. Mit der Zeit kann man sich einen kleinen Fundus an Formulierungen anlegen und je nach Situation die passenden auswählen.
Was, wenn nichts, was ich sage, zu helfen scheint?
Manchmal ist die hilfreichste Reaktion schlichte Akzeptanz. Zu benennen, dass es schwierig ist, kann Widerstand abbauen und Raum für weiteres Vorankommen schaffen.
Ist es in Ordnung, bei mentaler Erschöpfung das Tempo zu drosseln?
Ja. Mentale Stärke bedeutet nicht, Leistung zu erzwingen, sondern mit den vorhandenen Kräften konzentriert zu bleiben.
Kann Selbstgespräche bei langen Läufen ablenken?
Ja, wenn sie übermäßig oder kontrollierend werden. Ziel ist nicht ein ständiges Selbstgespräch, sondern eine sanfte Lenkung, wenn die Konzentration nachzulassen droht.
Sollte mein Selbstgespräch immer positiv sein?
Nein. Hilfreiches Selbstgespräch ist ehrlich statt aufmunternd, realistisch statt optimistisch. Es wirkt am besten, wenn es die Realität widerspiegelt.
Verbessert sich effektives Selbstgespräch durch Übung?
Ja. Wie körperliche Fähigkeiten wird auch die mentale Sprache natürlicher, wenn sie regelmäßig und ohne Druck angewendet wird.
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Schlussbetrachtung
Beim Langstreckenlauf geht es nie nur um Ausdauer. Es geht auch um Identität. Wenn die Erschöpfung einsetzt und die äußeren Einflüsse verstummen, bleibt die Beziehung zu sich selbst während der Anstrengung. Die Gedanken werden gleichzeitig zu Orientierung, Stabilität und Richtung. In solchen Momenten prägt die innere Stimme, wie sicher sich die Arbeit anfühlt und wie bereit man ist, durchzuhalten. Diese innere Sprache verschwindet nicht mit dem Lauf. Sie begleitet die nächsten Trainingseinheiten und schließlich auch den Wettkampf. Die Stimme, die man an langen Trainingstagen übt, wird zur Stimme, auf die man sich in Drucksituationen verlässt. Ruhigere, freundlichere und geerdetere Worte zu wählen, hat nichts mit Motivation zu tun. Es geht darum, jemand zu werden, der in den entscheidenden Momenten präsent sein kann.
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