Umgang mit Erschöpfung: Überlastung vs. Übertraining beim Laufen

Zusammenfassung:
Läufermüdigkeit ist ein vielschichtiges Phänomen, das von normaler, kurzfristiger Erschöpfung bis hin zu schwerwiegenderen Zuständen reicht, die Regeneration und Leistung beeinträchtigen. Dieser Blogbeitrag beleuchtet den Unterschied zwischen akuter Müdigkeit, funktioneller und nicht-funktioneller Überlastung sowie echtem Übertraining. Er zeigt, wie Läufer zwischen diesen Zuständen wechseln und warum Leistungsveränderungen oft falsch interpretiert werden. Außerdem wird die Rolle von Regenerationsstruktur, Ernährung und Energieverfügbarkeit, einschließlich des RED-S-Modells, für den Verlauf der Müdigkeit untersucht. Durch das Verständnis dieser Unterschiede können Läufer gelassen und ohne Angst auf Müdigkeit reagieren und so ihren langfristigen Fortschritt sichern.

Läufer in Sprintstartposition mit dem Staffelstab auf der Bahn, bereit, an seine Grenzen zu gehen

Akute Erschöpfung: Die normalen Kosten des Trainings

Akute Ermüdung ist die unmittelbare und erwartbare Reaktion auf Trainingsbelastung. Sie tritt während produktiver Trainingsphasen auf und zeigt an, dass der Körper vorübergehend nicht mehr den Anforderungen gerecht werden kann. Läufer erleben sie beispielsweise als schwere Beine nach einem langen Lauf, verminderte Leistungsfähigkeit nach anstrengenden Einheiten oder ein kurzes Zeitfenster, in dem das Erreichen gewohnter Tempi schwieriger erscheint. Dieser Zustand ist kein Problem. Er ist ein Zeichen dafür, dass das Training intensiv genug war, um eine Erholung zu erfordern.

Entscheidend ist, dass akute Ermüdung reaktiv und proportional ist. Leichtes Laufen bleibt machbar. Die Motivation bleibt erhalten. Schlaf und leichtere Tage bringen das Gleichgewicht schnell wieder ins Gleichgewicht. Es gibt keine emotionale Erschöpfung, keinen anhaltenden Widerstand gegen das Training und kein Gefühl, dass der Körper sich wehrt. Wenn Läufer akute Ermüdung als das erkennen, was sie ist, und ihr erlauben, auf natürliche Weise abzuklingen, erfolgt die Anpassung reibungslos und das Vertrauen in den Prozess wächst.

Anzeichen akuter Müdigkeit

Akute Erschöpfung ist der häufigste Zustand, den Läufer während eines produktiven Trainings erleben. Sie spiegelt kurzfristigen Stress wider, den der Körper erwartet, und kann sich schnell wieder legen, wenn der Trainingsrhythmus eingehalten wird.

Wie sich akute Müdigkeit typischerweise äußert

  • Schwere Beine:
    Die Beine fühlen sich träge oder schwer an, insbesondere nach intensiveren Trainingseinheiten, lockern sich aber im Laufe des Laufs oder nach ein bis zwei Tagen leichterem Training.

  • Erhöhter Kraftaufwand:
    Vertraute Tempi erfordern etwas mehr Konzentration, bleiben aber ohne Anstrengung oder Überanstrengung kontrollierbar.

  • Leichter Muskelkater:
    Nach dem Training treten Muskelverspannungen oder Druckempfindlichkeit auf, die jedoch durch Bewegung, Schlaf und leichte Erholung schnell wieder verschwinden.

  • Stabile Motivation:
    Der Wunsch zu trainieren bleibt bestehen, auch wenn die Begeisterung in intensiveren Trainingsphasen kurzzeitig nachlässt.

  • Reaktionsschnelle Erholung:
    Ein oder zwei Tage mit weniger Belastung oder Ruhe verbessern spürbar das Körpergefühl und den Bewegungsfluss.

Akute Erschöpfung klingt schnell ab, wenn die Erholung ihre Wirkung entfalten kann. Sie signalisiert, dass die Trainingsbelastung ausreichend, aber nicht übermäßig war.

Wenn Müdigkeit die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt

Bis zu diesem Punkt hindert Ermüdung im Training Läufer nicht daran, bei Bedarf Leistung zu erbringen. Akute Ermüdung kann die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen, aber sie schränkt weder Tempo noch Koordination ein. Die nächsten Stadien im Ermüdungsspektrum sind anders. Sie definieren sich nicht nur durch das subjektive Erschöpfungsempfinden eines Läufers, sondern auch durch die Auswirkungen auf die Leistung unter Belastung.

Dieser Wandel ist wichtig, da Leistungsabfall oft fälschlicherweise als Versagen oder Fitnessverlust interpretiert wird. Tatsächlich spiegelt er angestauten Stress wider, der noch nicht abgebaut wurde. Wenn Ermüdung die Leistung beeinträchtigt, äußert sich dies häufig in Überlastung, die in zwei unterschiedlichen Stadien auftreten kann. Das eine verschwindet vollständig durch angemessene Erholung. Das andere hält an und beeinträchtigt die Trainingskontinuität. Dieses Verständnis hilft Läufern, frühzeitig zu reagieren, anstatt unüberlegt zu trainieren.

Funktionale Überforderung: Wenn die Leistung vorübergehend nachlässt

Funktionelle Überlastung unterscheidet sich von akuter Ermüdung dadurch, dass die Leistungsfähigkeit nicht mehr voll zur Verfügung steht. Läufer in diesem Zustand fühlen sich nicht nur müde. Sie bemerken, dass Tempo, Reaktionsfähigkeit und Koordination selbst bei hoher Anstrengung reduziert sind. Trainingseinheiten, die normalerweise problemlos zu bewältigen wären, erscheinen unerreichbar. Dies tritt typischerweise nach einer Phase konzentrierter Belastung auf, wie beispielsweise einem intensiven Trainingsblock, erhöhter Intensität oder einer anhaltenden Steigerung des Trainingsumfangs, bei der die Erholung bewusst verzögert wurde.

Das entscheidende Merkmal von funktionellem Übertraining ist, dass der Körper weiterhin regenerieren kann. Mit ausreichend Ruhe kehrt die Leistungsfähigkeit innerhalb der folgenden ein bis zwei Wochen zurück und kann sogar das vorherige Niveau übertreffen oder sich einfach wieder auf dem Ausgangsniveau einpendeln. Beides ist normal. Wichtig ist, dass die Ermüdung vollständig abklingt, sobald die Belastung reduziert wird. Dieser Zustand ist jedoch nicht zwingend für Fortschritte erforderlich. Viele Läufer verbessern sich zuverlässiger durch ein kontinuierliches Training, das zu einer beherrschbaren Ermüdung führt, als durch eine anhaltende Überlastung. Funktionelles Übertraining kann bei sorgfältiger Planung sinnvoll sein, birgt aber mehr Risiken als ein stetiger Fortschritt und erfordert Respekt statt Wiederholung.

Anzeichen für funktionelle Überforderung

Funktionelles Übertraining tritt auf, wenn sich angesammelter Trainingsstress vorübergehend aufhebt und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Im Gegensatz zu akuter Ermüdung wirkt sich dieser Zustand nicht nur auf die Empfindung, sondern auch auf die Leistung aus.

Indikatoren für vorübergehende Leistungsdrosselung

  • Kurzfristiger Leistungsabfall:
    Tempo, Kraft oder Präzision nehmen trotz gleichbleibender Anstrengung und normaler Ausführung ab.

  • Flaches Gefühl:
    Die Beine fühlen sich gefühllos an, anstatt wund oder verletzt zu sein, insbesondere während intensiver Trainingseinheiten.

  • Langsamere Erholung:
    Die Müdigkeit hält länger als üblich an, bessert sich aber, sobald die Trainingsbelastung reduziert wird.

  • Gedämpfte Motivation:
    Das Training wird zwar immer noch als wichtig empfunden, doch Frische und Begeisterung haben nachgelassen.

  • Klarer Erholungsschub:
    Die Leistungsfähigkeit kehrt nach ein bis zwei Wochen leichterem Training oder Ruhe zurück.

Funktionelle Überlastung löst sich vollständig auf, wenn die Erholungsphase berücksichtigt wird. Das entscheidende Merkmal ist, dass das System reagiert, sobald die Belastung nachlässt.

Nicht-funktionales Übereifer: Wenn die Genesung nicht mehr nachlässt

Nicht-funktionale Überlastung tritt auf, wenn die angesammelte Trainingsbelastung nicht mehr durch Erholung ausgeglichen wird. Die Erschöpfung hält länger als erwartet an, und die Leistungsfähigkeit erholt sich selbst nach leichterem Training nicht. Läufer in diesem Zustand fühlen sich oft kraftlos und müde. Die Anstrengung bleibt hoch, während die Leistung gering bleibt, und die Trainingseinheiten werden ohne erkennbaren Grund anstrengender. Schwierig an dieser Phase ist, dass sie sich ähnlich wie mangelnde Vorbereitung oder Formschwäche anfühlen kann, was viele Läufer dazu verleitet, die Anstrengung zu erhöhen, anstatt sie zu reduzieren.

Das entscheidende Merkmal von nicht-funktionaler Überlastung ist ihre Dauer. Die Erholung lässt sich nicht mehr in Tagen oder einer Woche messen. Es kann mehrere Wochen oder länger dauern, bis die normale Funktionsfähigkeit nach Reduzierung der Belastung wiederhergestellt ist. In dieser Zeit nimmt die Fitness oft ab und das Selbstvertrauen kann leiden. Dieser Zustand sollte vermieden und nicht erzwungen werden. Nicht-funktionale Überlastung ist kein Zwischenschritt zur Anpassung. Sie ist ein Zeichen dafür, dass der Körper überlastet ist und Zeit und Geduld zur Regeneration benötigt.

Anzeichen für nicht-funktionale Überforderung

Nicht-funktionale Überlastung entsteht, wenn der Trainingsstress anhält, die Erholung aber nicht mehr zur Wiederherstellung der normalen Leistungsfähigkeit führt. Die Ermüdung wird chronisch und die Anpassung verlangsamt sich oder kommt zum Erliegen.

Warnzeichen für anhaltende Müdigkeit

  • Anhaltende Müdigkeit:
    Die Erschöpfung hält trotz mehrerer leichterer Tage oder Erholungsphasen an.

  • Anhaltende Leistungsminderung:
    Die Leistung kehrt über mehrere Wochen hinweg nicht zum Ausgangsniveau zurück.

  • Unverhältnismäßiger Aufwand:
    Lockere Läufe fühlen sich im Verhältnis zu Tempo oder Distanz ungewöhnlich anstrengend an.

  • Unbeständige Motivation:
    Die Trainingsmotivation schwankt und das Selbstvertrauen lässt nach.

  • Teilweise Erholung:
    Ruhe hilft zwar etwas, setzt das System aber nie vollständig zurück.

Dieser Zustand spiegelt ein Ungleichgewicht zwischen Belastung und Erholung wider. Eine fortgesetzte Überanstrengung verlängert die Zeit, die für die Rückkehr zum normalen Training benötigt wird.

Übertraining: Wenn sich das System nicht mehr anpasst

Übertraining ist ein seltener und schwerwiegender Zusammenbruch der Fähigkeit des Körpers, sich an Belastungen anzupassen. Es ist nicht einfach die Folge von zu langem, nicht funktionellem Übertraining. Die meisten Läufer erleben im Laufe ihrer Trainingskarriere Ermüdung und Phasen der Überlastung, aber nur wenige entwickeln ein echtes Übertraining. Dies deutet darauf hin, dass neben der Trainingsbelastung in der Regel weitere Faktoren eine Rolle spielen. Krankheit, anhaltender psychischer Stress, extreme Umweltbelastungen und wiederholte Störungen der Regeneration können dazu beitragen, dass der Körper in einen Zustand gerät, in dem die normale Regulation nicht mehr stattfindet.

Übertraining zeichnet sich durch das Ausmaß und die Dauer der Fehlanpassung aus. Die Leistungsfähigkeit bleibt über Monate oder länger beeinträchtigt, und die Erholung führt nicht mehr zur Wiederherstellung der normalen Funktion. Die Symptome betreffen oft nicht nur das Training, sondern auch Schlaf, Stimmung und die allgemeine Stresstoleranz. Andere Ursachen wie Krankheit oder Ernährungsprobleme müssen von einem Arzt ausgeschlossen werden. Die Erholung von echtem Übertraining ist langwierig und ungewiss, weshalb es sich klar von Erschöpfung und Überlastung unterscheidet und nicht als deren Folgeerscheinung zu verstehen ist.

Anzeichen von Übertraining

Übertraining ist ein seltener und schwerwiegender Zusammenbruch der Fähigkeit des Körpers, sich an Belastungen anzupassen. Es geht über die Trainingsermüdung hinaus und betrifft mehrere Systeme.

Merkmale systemweiter Fehlanpassung

  • Langfristiger Leistungsabfall:
    Die Leistung bleibt über Monate oder länger gehemmt, ohne dass eine Erholungsreaktion eintritt.

  • Verlust der Trainingstoleranz:
    Normale Trainingsbelastungen werden als überfordernd empfunden und sind schwer zu verkraften.

  • Erhöhte Stressempfindlichkeit:
    Sowohl Trainingsstress als auch Alltagsstress führen zu übermäßiger Müdigkeit.

  • Schlaf- und Stimmungsstörungen:
    Die Erholungsqualität verschlechtert sich parallel zur emotionalen Stabilität.

  • Auswirkungen auf das gesamte System:
    Andere Erklärungen wie Krankheit oder Ernährungsprobleme müssen von einem Arzt ausgeschlossen werden.

Übertraining ist klar von Ermüdung und Überlastung zu unterscheiden. Es lässt sich nicht durch herkömmliche Trainingsanpassungen kontrollieren.

Wie Läufer vermeiden, dass Erschöpfung in einen Zusammenbruch mündet

Die meisten Trainingsprobleme entstehen nicht durch einmalige Überlastung. Sie resultieren vielmehr aus mangelnder, kontinuierlicher Belastungsreduzierung. Erschöpfung wird gefährlich, wenn Läufer Erholung als optional oder reaktiv statt als strukturell betrachten. Fortschritt hängt davon ab, dass Belastung aufgebaut und anschließend wieder abgebaut wird. Ohne diese Entlastung häuft sich selbst sinnvolles Training schneller an, als der Körper sich anpassen kann.

Um Erschöpfung zu vermeiden, ist weniger ständige Überwachung als vielmehr ein guter Rhythmus entscheidend. Ruhetage sind keine Unterbrechungen des Trainings, sondern fester Bestandteil. Schlaf ist keine optionale Unterstützung, sondern eine Grundvoraussetzung für die Anpassungsfähigkeit des Körpers. Er sorgt dafür, dass der Körper reaktionsfähig bleibt, während sich der Trainingsstress abbaut. Werden diese Elemente in die Woche und den Monat integriert, wirkt Erschöpfung produktiv statt zermürbend. Die Läufer mit der längsten Ausdauer sind nicht diejenigen, die die meisten Beschwerden ertragen. Sie sind diejenigen, die ihre Regeneration schützen, bevor sie dringend notwendig wird. Dadurch bleiben harte Trainingseinheiten effektiv und die Motivation über lange Trainingsphasen hinweg konstant.

Praktische Wege, um die Genesung zu schützen und das Gleichgewicht zu bewahren

Nachhaltiges Training basiert nicht allein auf Willenskraft. Es gründet sich auf Gewohnheiten, die Ermüdung und Erschöpfung immer wieder verhindern. Diese Praktiken sind einfach, aber sie funktionieren nur, wenn sie als fester Bestandteil des Trainings und nicht als optionale Ergänzungen betrachtet werden.

Wichtige Gewohnheiten, die kumulative Erschöpfung verhindern

  • Ruhetage:
    Geplante Ruhetage lassen Müdigkeit abklingen, bevor sie sich verstärkt. Sie reduzieren den allgemeinen Stress und verringern die Wahrscheinlichkeit unfreiwilliger Auszeiten später. Ruhetage sind am effektivsten, wenn sie im Voraus geplant und nicht erst dann genommen werden, wenn die Motivation nachlässt.

  • Regelmäßiger Schlaf:
    Ausreichender und regelmäßiger Schlaf ist essenziell für Regeneration, Anpassung und emotionale Regulation. Sinkt die Schlafqualität, verringert sich die Belastbarkeit im Training rapide und die Regenerationszeit verlängert sich.

  • Erholungsläufe:
    Lockeres Laufen fördert die Durchblutung und erhält die Beweglichkeit, ohne die Belastung nennenswert zu erhöhen. Diese Läufe sollten sich von Anfang bis Ende entspannt anfühlen. Steigt die Intensität bei Erholungsläufen, erfüllen sie ihren Zweck nicht mehr, sondern führen stattdessen zu zusätzlichem Stress.

  • Erholungswochen:
    Regelmäßige Reduzierungen des Trainingsumfangs oder der Intensität ermöglichen es, angesammelte Ermüdung abzubauen, bevor sie chronisch wird. Erholungswochen sind keine verlorene Zeit. Sie sind die Grundlage für nachhaltige Fortschritte über Monate hinweg und nicht nur für einige wenige intensive Wochen.

  • Belastungsvariation:
    Die Trainingsbelastung sollte steigen und fallen, anstatt sich endlos zu erhöhen. Der Wechsel zwischen anstrengenden und weniger anstrengenden Phasen erhält die Belastbarkeit und beugt dem schleichenden Leistungsabfall durch konstanten Druck vor.

  • Ernährungsunterstützung:
    Eine gleichmäßige Energieversorgung fördert die Regeneration, die Immunfunktion und die Belastbarkeit beim Training. Unterversorgung erhöht die Ermüdungsempfindlichkeit und verringert den Spielraum für Fehler, selbst wenn das Trainingspensum machbar erscheint.

Erschöpfung wird schädlich, wenn die Erholung im Namen der Kontinuität immer wieder verschoben wird. Werden Ruhe, Schlaf, Ernährung und leichtere Trainingsphasen als unverzichtbare Bestandteile des Trainings betrachtet, bleiben Läufer anpassungsfähig statt erschöpft, und der langfristige Fortschritt wird geschützt.

RED-S: Wenn die Energieverfügbarkeit die Anpassung einschränkt

Im Anschluss an die Erläuterung der Bedeutung der Ernährung für die Regeneration ist es wichtig, einen Zustand zu berücksichtigen, der trainingsbedingter Erschöpfung stark ähneln kann, wenn die Energiezufuhr den Bedarf dauerhaft nicht deckt. Das relative Energiedefizit im Sport (RED-S) zählt nicht zu den Symptomen von Überlastung oder Übertraining, kann aber viele ähnliche äußere Anzeichen hervorrufen und wird daher bei Ausdauerläufern häufig missverstanden.

Das RED-S-Syndrom entsteht, wenn der Energiebedarf für Training, Regeneration und grundlegende physiologische Funktionen wiederholt die aufgenommene Energie übersteigt. Dieses Ungleichgewicht ist oft unbeabsichtigt. Erhöhtes Trainingspensum, ein voller Terminkalender und verminderter Appetit während intensiver Trainingsphasen können Läufer unbemerkt in einen Zustand geringer Energieverfügbarkeit treiben, selbst wenn die Trainingsstruktur sinnvoll erscheint. In diesem Zustand wird die Anpassung nicht durch Anstrengung, sondern durch die Energieversorgung begrenzt.

Warum geringe Energieverfügbarkeit Trainingsermüdung vortäuschen kann

  • Anhaltende Leistungsschwäche:
    Tempo, Belastbarkeit und die allgemeine Trainingsqualität nehmen trotz gleichbleibender Anstrengungen ab, weil dem Körper die nötige Energie zur Anpassung fehlt.

  • Anhaltende Müdigkeit:
    Auch bei reduzierter Trainingsbelastung bleibt die Müdigkeit bestehen, da die Erholungsprozesse ohne ausreichende Energiezufuhr nicht vollständig abgeschlossen werden können.

  • Verminderte Regenerationsfähigkeit:
    Trainingseinheiten werden schlechter aufgenommen und der Körper hat Schwierigkeiten, sich zwischen den Läufen oder Trainingswochen zu erholen.

  • Auswirkungen auf das gesamte System:
    Eine geringe Energieverfügbarkeit betrifft nicht nur die Muskeln, sondern auch die Stresstoleranz, die Knochenfestigkeit und die allgemeine Robustheit.

  • Schwer frühzeitig zu erkennen:
    Die Abstimmung von Kalorienzufuhr und -verbrauch ist eine Herausforderung, insbesondere während intensiver Trainingsphasen, in denen der Energieverbrauch schneller steigt als der Appetit.

RED-S kann in Verbindung mit Überlastung auftreten und deren Auswirkungen verstärken. Ein Läufer kann überlastet wirken, obwohl die eigentliche Ursache in einer unzureichenden Energieverfügbarkeit liegt. Mit der Zeit beginnt der Körper, Energie zu sparen, anstatt sich anzupassen. Die Regeneration wird zunehmend schwieriger, die Belastbarkeit sinkt und das Verletzungsrisiko steigt. Diese weiterreichenden Auswirkungen helfen, RED-S von rein trainingsbedingter Ermüdung zu unterscheiden und erklären, warum die Wiederherstellung einer ausreichenden Energiezufuhr oft ein notwendiger Schritt ist, bevor die Leistung wieder gesteigert werden kann. Wenn die Symptome anhalten oder die Muster unklar werden, kann die Beratung durch einen qualifizierten Experten Klarheit schaffen und die nächsten Schritte einleiten.

Häufig gestellte Fragen: Überforderung vs. Übertraining

Worin besteht der Unterschied zwischen akuter Ermüdung und Überlastung?
Akute Ermüdung ist eine kurzfristige Müdigkeit, die sich durch Ruhe oder leichteres Training schnell wieder legt. Überlastung hingegen beginnt, wenn die Ermüdung die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt und eine längere Erholungsphase erfordert.

Ist Überlastung immer ein Problem?
Funktionelle Überlastung kann sich durch angemessene Erholung vollständig beheben. Sie wird erst dann zum Problem, wenn die Erschöpfung anhält und die Leistungsfähigkeit nicht zurückkehrt.

Wie kann ich zwischen funktioneller und nicht-funktioneller Überlastung unterscheiden?
Funktionelle Überlastung bessert sich innerhalb von ein bis zwei Wochen nach Reduzierung der Belastung. Nicht-funktionelle Überlastung hält mehrere Wochen an und verschwindet auch durch kurze Ruhepausen nicht vollständig.

Bedeutet Müdigkeit, dass ich übertrainiert bin?
Die meisten Ermüdungserscheinungen im Training sind normal. Echtes Übertraining ist selten und geht mit einem anhaltenden Leistungs- und Regenerationsverlust über Monate einher.

Warum kann sich Erschöpfung aufbauen, selbst wenn das Training sinnvoll erscheint?
Weil Erholungsfaktoren wie Ruhe, Schlaf und Ernährung möglicherweise nicht mit den Trainingsanforderungen Schritt halten, wodurch sich die Erschöpfung mit der Zeit anhäufen kann.

Wie beeinflusst die Ernährung die Trainingsermüdung?
Eine gleichmäßige Energieversorgung unterstützt die Regeneration und Anpassung. Ist die Energiezufuhr im Verhältnis zur Belastung zu gering, lässt sich die Ermüdung schwerer abbauen und die Leistung kann stagnieren.

Was ist RED-S und in welchem ​​Zusammenhang steht es mit Ermüdung beim Laufen?
RED-S tritt auf, wenn die Energieverfügbarkeit für die Regeneration und normale Leistungsfähigkeit nicht ausreicht. Es kann trainingsbedingte Ermüdung vortäuschen und die Leistungsschwäche verlängern, selbst bei angepasstem Training.

WEITERFÜHRENDE LITERATUR: ERHOLUNG, DIE DIE LEISTUNG STEIGERT

Schlussbetrachtung

Die meisten Ermüdungserscheinungen beim Laufen treten viel früher auf, als viele Athleten befürchten. Akute Ermüdung, Phasen der Überlastung und sogar kurzfristige Leistungseinbrüche sind oft Teil eines produktiven Trainings und keine Anzeichen für ein Versagen. Probleme entstehen, wenn sich Stress ohne regelmäßige Erholung durch Ruhe, Schlaf und ausreichende Ernährung aufbaut. Indem Läufer verstehen, wie Ermüdung fortschreitet und erkennen, wann Leistungsveränderungen auf Erholungsbedarf und nicht auf nachlassende Fitness zurückzuführen sind, können sie besonnen statt panisch reagieren. Das Training ist am effektivsten nicht durch ständigen Druck, sondern durch Rhythmus, Achtsamkeit und Respekt vor der Anpassungsfähigkeit des Körpers.

Konsultieren Sie vor Beginn eines neuen Trainingsprogramms stets einen Arzt oder zertifizierten Trainer. Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich Bildungszwecken und ersetzen keine individuelle Beratung.

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